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Peaks of the Balkans Podcast mit Astrit: Etappen, Sicherheit & Insider-Tipps

11. February 2026 Virtyt Gacaferi

Wer ist Astrit?

Astrit ist Guide auf dem Peaks of the Balkans Trail, Polyglott und kommt aus einer kulturell vielfältigen Familie mit Wurzeln im Kosovo, in Polen und mit deutschem Hintergrund. Er hat früher in den Niederlanden in der Landwirtschaft gearbeitet und liebt Videospiele. Heute führt er Gäste durch die Berge des Balkans.

Für ihn ist Guiding der beste Job, den er je hatte: Freiheit, Natur und Begegnungen mit Menschen aus aller Welt – von Geologen über Professoren bis zu Künstlern. Astrit hat den kompletten Trail bereits 31 Mal gemacht.


Theth: Startpunkt, Kirche und Tourismus-Boom

Theth zählt zu den bekanntesten Orten am Trail – nicht nur wegen seiner Lage im Hochtal, sondern auch wegen der ikonischen Kirche. Astrit beschreibt, dass Theth früher vor allem von „echten“ Berg- und Naturfans besucht wurde, heute aber deutlich zugänglicher ist: Straßen und Brücken bringen mehr Tagesgäste, es entstehen neue Hostels und der Ort kann im Sommer sogar überlaufen sein.


Das Video ist mit deutschen Untertiteln verfügbar. Alternativ finden Sie weiter unten eine schriftliche Zusammenfassung.


Etappe 1: Theth – Valbona (Pass & Risikostelle)

Diese Etappe ist eine der berühmtesten – und konditionell forderndsten.

Eckdaten aus dem Gespräch:

  • Distanz: ca. 16 km
  • Höhenunterschied: ca. 1.356 m
  • Charakter: langer Aufstieg, dann Abstieg Richtung Valbona

Astrit teilt die Etappe in zwei mentale Abschnitte:

  1. bis zur Bar (Pause)
  2. weiter zum Valbona Pass (Valbona Neck)

Sicherheit: Der gefährliche, schmale Abschnitt

Nahe dem Pass gibt es eine sehr schmale Passage mit engen Kurven. Im Sommer wirkt sie harmlos, im Winter wird sie ernsthaft gefährlich (teilweise nur ca. 30 cm breit). Astrit sagt, die meisten schweren Unfälle passieren genau dort – vor allem bei Eis/Schnee.

Sein Rat:

  • Im Winter nur mit Erfahrung + Ausrüstung + Guide
  • Im Sommer gilt: nicht beim Gehen fotografieren (stoppen → Foto → weitergehen)

Menschenmassen

Der obere Teil bis zum Pass wird teils auch von Tageswanderern genutzt. Nach dem Pass Richtung Valbona wird es deutlich ruhiger.

Option: Jeep-Transfer

Wer sehr müde ist, kann Teile abkürzen:

  • am Anfang ca. 3–4 km
  • oder später per 4×4/Jeep (u.a. rund um den Bereich der Bar / letzte Kilometer)

Etappe 2: Valbona – Çerem (Preslopi Pass & Fossilien)

Astrit beschreibt diesen Tag als eine der härtesten Etappen – viele Gäste nennen ihn den schwierigsten Tag der 9-Tage-Wanderung.

Warum so hart?

Weil es mehrere Stunden fast nur bergauf geht: „nonstop climbing“, über mehrere Täler hinweg, bis man die Grenze nach Montenegro erreicht.

Highlight: Fossilien aus dem Eozän

In einem Abschnitt nahe der Rossi Guesthouse kann man Fossilien finden (Astrit erwähnt ca. 45 Millionen Jahre, Eozän). Für viele ist das ein echter „Wow-Moment“, weil es zeigt, dass diese Berge geologisch gesehen einmal Meeresboden waren.

Schwierigkeit: Orientierung im Wald

Nach dem Grenzbereich folgt ein Abschnitt mit großen Felsblöcken und später ein Waldteil, in dem man sich leicht verlaufen kann. Astrit empfiehlt hier ausdrücklich einen Guide, weil viele Pfade in verschiedene Richtungen führen.

Ziel: Çerem, ein kleines, abgelegenes Dorf, das sich anfühlt „als wäre die Zeit stehen geblieben“.


Abschnitt: Çerem (Geschichte & Abgeschiedenheit)

Çerem war früher keine „klassische“ Siedlung, sondern Sommerweide für Menschen aus Vuthaj (Montenegro). Als die Grenze geschlossen wurde, sahen sich Familien über Jahrzehnte nicht. Heute ist die Gegend extrem ruhig und abgelegen – genau das macht sie so besonders.


Abschnitt: Çerem – Doberdol (Wälder, alte Bäume, Balqina)

Diese Verbindung ist weniger schwierig als die beiden vorherigen Etappen, aber landschaftlich stark.

Astrit beschreibt zwei Waldwelten:

  • in Montenegro: wilder, jüngerer Wald
  • später: alter Wald mit sehr alten Bäumen (ein Baum soll ca. 620 Jahre alt sein)

Balqina / Salihi Guesthouse (Qamile)

Ein emotionaler und kulinarischer Höhepunkt ist der Stopp in Balqina, bei einer Gastgeberin (Qamile) im Salihi Guesthouse. Astrit schwärmt vom Essen, der Aussicht und der Härte des Lebens dort. Wichtig: Essen muss meist vorbestellt werden.

Astrit verbindet diese Etappe auch mit dem Blick ins Gashi-Tal (UNESCO erwähnt im Gespräch), der Landschaft, die ihn an Zentralasien erinnert.


Abschnitt: Doberdol (Dreiländereck & Basislager)

Doberdol ist eher Sommerweide als Dorf, mit wenigen einfachen Guesthouses. Komfort ist reduziert:

  • manchmal Mehrbettzimmer (meist gruppenintern)
  • weniger Toiletten/Bäder
  • einfacheres Essen

Dafür ist Doberdol ein strategischer Punkt: Von hier kann man verschiedene Varianten gehen.


Option: Three Borders Peak (Dreiländereck-Gipfel)

Astrit beschreibt den bekannten Gipfel am Dreiländereck: in relativ kurzer Zeit erreichbar, nicht technisch schwierig, aber spektakulär – wenn das Wetter klar ist.

Ablauf grob:

  • ca. 1h10 bis zum Grat
  • weiter bis zur Hütte
  • dann kurzer Gipfelanstieg ohne Rucksack

Etappe/Variante: Doberdol – Milishevc (Schmugglerweg & Lojza)

Diese Variante ist lang (Astrit nennt teils bis ~19 km, je nach Route und Unterkunft). Ein historisch schwerer Abschnitt ist der „Smuggler’s Road“ – ein Weg, der im Krieg 1999 für Waffenschmuggel genutzt wurde.

Landschaftlich: Sommerfarben, Blumenhänge, weite Blicke. Ein Teil ist allerdings „langweilig“, weil man mehrere Kilometer auf einer Schotterstraße gehen muss.

Lojza Guesthouse wird wegen Aussicht und Atmosphäre hervorgehoben (klein, ca. 22–23 Plätze).


Variante: Doberdol – Gjeravica – Gacaferi (höchster Punkt Kosovos)

Astrit nennt diese Route die längste und eine der wetterkritischsten:

  • ca. 20 km
  • Ziel: Gjeravica (2.656 m) – höchster Gipfel Kosovos
  • Problem: exponiert, bei Regen/Nebel/Wind/Storm nicht machbar

Sein Prinzip: Wetter am Morgen prüfen und dann entscheiden.


Etappe: Gacaferi – Milishevc (schöner, besser als früher)

Astrit sagt, die Routenänderung war klug: Früher musste man wieder nach Doberdol zurück – ein „extrem langweiliges“ Stück. Jetzt führt die Variante über Seen/Wälder und endet in Gacaferi, das er als eines der besten Guesthouses kulinarisch lobt.


Variante: Milishevc – Reka e Allages (selten, teils „katastrophal“)

Diese Strecke macht Astrit kaum – er nennt den ersten Teil wunderschön, den zweiten aber extrem schlecht:

  • nicht gepflegt
  • viel Gestrüpp, steil, rutschig
  • später Forst-/Traktorwege mit viel Schlamm

Er sagt: Wenn möglich, lieber Alternativen nutzen.


Option: Reka e Allages – Drelaj via Hajla (Extra-Tag)

Im Gespräch wird Hajla (ca. 2.400 m) als eindrucksvolles, wildes Gebiet beschrieben: Grat, Weite, Blaubeeren im August. Diese Variante wäre ein Extra-Tag im Vergleich zur klassischen Route, kann aber Asphaltabschnitte ersetzen.


Option: Liqenat – Babino Polje (zwei Seen & Blaubeerwald)

Astrit beschreibt diese Variante als überraschend schön:

  • zwei Seen (einer kann im Sommer trocken sein)
  • Hütte mit Honig/Honigkuchen/Kaffee
  • anschließend Wegegabelung (zurück oder Richtung Babino Polje)
  • großer Endabstieg (ca. 500–700 m)

Extra-Details:

  • sehr viele Blaubeeren in einem 3-km-Abschnitt
  • teils Bärenspuren (Kot) wegen Blaubeeren

Am Ende kann man ggf. 4 km per Transfer abkürzen (bei Selima Çesma / Wasserquelle).


Etappe: Milishevc – Babino Polje (Standard, „eine der leichtesten“)

Astrit nennt diese Etappe eine der leichtesten, aber mit einer tückischen Passage zu Beginn:

  • Wald ohne Markierungen
  • viele Kuhpfade → leichtes Verlaufen
  • später offen bis Pusi i Plaves (Swamp), dann Blaubeerwald, dann Grat und großer Abstieg

Er erwähnt ein Mikroklima: häufig Regen am Nachmittag (ca. 14–15 Uhr). Da die Etappe nicht schwer ist, macht die Gruppe oft viele Pausen und „genießt die Natur“.


Babino Polje – Plav (sehr lang, selten gemacht)

Astrit selbst hat diese Etappe nicht gemacht, nennt sie aber die längste (bis ca. 22 km) und berichtet von möglichen Bärenbegegnungen. Viele teilen sie in zwei Tage oder lassen sie aus.


Gerbaja (Extra): „Lollipop Trail“ mit Dolomiten-Vibes

Gerbaja gilt als einer der spektakulärsten Abschnitte, wird aber logistisch per Jeep angebunden. Astrit nennt ihn persönlich eine der schwierigsten Etappen, weil es nur Auf und Ab gibt – kein flaches Stück.

  • ca. 10 km
  • 6–7 Stunden
  • hoher Wasserbedarf (nur eine Wasserquelle)
  • drei Gipfel: Popadia, Taljanka, Volušnica

Die Route heißt „Lollipop Trail“, weil man eine Schleife am Grat macht und dann durch denselben Wald zurückgeht.


Vuthaj – Theth (Ropojana Lake & Runica Field): Astrits Lieblingsetappe

Für Astrit ist diese Etappe die schönste, weil sie landschaftlich am vielfältigsten ist.

Highlights:

  • Transfer am Anfang möglich (5 km „langweilige“ Straße)
  • Ropojana Lake: Gletschersee, oft trocken, selten voll
  • Grenzübertritt Montenegro → Albanien (letzter Grenzübertritt)
  • Runica Field: großes Feld, Hirtenhütten, frischer Käse, Raki
  • kommunistische Bunker
  • Arapi Peak („Shark Fin“)
  • alte Militärbasis, Peja Pass

Menschen am Trail: Guides und Gastgeber

Zum Schluss werden Personen vorgestellt, die den Trail prägen:

  • Gzim (sehr erfahren, ~120 Durchgänge)
  • Mentor (diszipliniert, „so wie ein Guide sein muss“)
  • Donika (junge Guide, viel Energie)
  • Enko (Eco Lodge Hrid), Mitgründer des Trails, ehemaliger Nationalpark-Direktor

Fazit

Diese Podcast-Folge zeigt, wie viel mehr der Peaks of the Balkans ist als „ein Weg“. Astrit verbindet Etappenwissen, Sicherheit, Kultur, Geschichte und Menschlichkeit.

Sein Kernpunkt:
Jede Tour ist einzigartig – weil jede Gruppe einzigartig ist.